Psychotherapeutische Praxis Dresden Regina John

 

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Depressionen

Was sind Depressionen?

Jeder Mensch ist manchmal traurig oder niedergeschlagen, zum Beispiel wenn eine Prüfung nicht gelingt oder eine Beziehung in die Brüche geht. Traurigkeit gehört zu unserem Gefühlsleben genauso wie Freude oder Angst. Erst wenn die Traurigkeit über mehr als zwei Wochen fast ununterbrochen andauert und mit deutlichen Einschränkungen im täglichen Leben einher geht, spricht man von Depressionen.

Depressionen sind weitverbreitet. Fast jeder Fünfte leidet mindestens einmal in seinem Leben an Depressionen. Dabei sind Frauen zwei- bis dreimal so häufig betroffen wie Männer. Trotzdem werden Depressionen in Auftreten und Bedeutung häufig noch unterschätzt (siehe Abschnitt: Fehlannahmen und Mythen). Depressionen sind jedoch als Erkrankung anzusehen, ebenso wie zum Beispiel Diabetes oder Bluthochdruck.

Woran erkenne ich, dass ich eine Depression habe?

Die meisten Personen erkennen, wenn sie an Depressionen leiden: Sie fühlen sich niedergeschlagen, traurig und wertlos. Es gibt jedoch auch Symptome, die nicht unmittelbar für eine Depression typisch erscheinen. Manche Leute erleben beispielsweise einen deutlichen Rückgang ihrer Leistungsfähigkeit, ohne dass sie dafür einen unmittelbaren Grund erkennen können.

Typische Anzeichen einer Depression sind im Folgenden aufgezählt. Es ist dabei wichtig zu beachten, dass nicht jeder Betroffene alle Symptome aufweist, sondern dass das Krankheitsbild jeweils sehr verschieden aussehen kann. Die Symptome können in unterschiedlichen Kombinationen auftreten und unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

Beeinträchtiges Gefühlsleben:
  • Tiefe Niedergeschlagenheit
  • Traurigkeit
  • "Gefühl der Gefühllosigkeit" (Verlust der Fähigkeit, Gefühle zu empfinden)
  • Verlust von Freude und Interesse
  • Ängste
  • Hoffnungslosigkeit
  • Kein Interesse an sexuellen Aktivitäten
Beeinträchtigende Gedanken:
  • Gedanken an die eigene Wertlosigkeit
  • Verlust des Selbstbewusstseins
  • Schuldgefühle und -gedanken
  • Pessimistische Gedanken an die Zukunft
  • Ständiges Grübeln
  • Gedanken an den Tod und Selbstmordgedanken
  • Selbstmordversuche
Beeinträchtigtes körperliches Wohlbefinden:
  • Kraftlosigkeit
  • Kein Appetit, Gewichtsverlust (manchmal auch umgekehrt: gesteigerter Appetit und Gewichtszunahme)
  • Schlafstörungen (Ein- und Durchschlafschwierigkeiten, zu frühes Aufwachen)
  • Kopfschmerzen oder Gliederschmerzen
  • Unspezifische Beschwerden im Magen-Darm-Bereich
  • Innere Unruhe/Spannungszustände
Beeinträchtige Leistungsfähigkeit:
  • Motivationsprobleme
  • Einschränkte Konzentrationsfähigkeit/hohe Ablenkbarkeit
  • Andauernde Müdigkeit
  • Rückzug aus dem sozialen Leben
  • Gedächtnisprobleme
  • Schwierigkeiten komplexe Sachverhalte zu verstehen
Formen von Depressionen

Man kann verschiedene Formen der Depression unterscheiden, wobei für die Einordnung vor allem Schwere, Dauer und Art der vorliegenden Symptome entscheidend sind.

Einzelne depressive Episode: Das erstmalige Auftreten depressiver Symptome in einem abgrenzbaren Zeitraum wird als einzelne depressive Episode bezeichnet.

Wiederkehrende (rezidivierende) Depression: Wenn Depressionen bereits mindestens einmal aufgetreten sind und wieder erscheinen, spricht man von einer wiederkehrenden Depression.

Dysthymie: Hierunter fasst man leichtere Formen von depressiver Verstimmung, die jedoch über einen sehr langen Zeitraum (mindestens zwei Jahre) ständig vorhanden sind.

Saisonale Depression: Depressionen, die wiederholt zu einem bestimmten Zeitpunkt auftreten (z.B. immer im Winter), bezeichnet man als saisonale Depressionen.

Atypische Depressionen: Von untypischen Depressionen spricht man, wenn die körperlichen Symptome im Mittelpunkt der Erkrankung stehen.

Bipolare Störungen: Bei bipolaren Störungen wechseln sich depressive Phasen mit Phasen des außergewöhnlichen Stimmungshochs (Manie) ab.

Je nach Schwere der Symptome wird weiter unterteilt in:
- leicht,
- mittelgradig oder
- schwer

Was sind die Ursachen für Depressionen?

Grundsätzlich ist niemand vor einer Depression gefeit. Ob und wann jedoch jemand an Depressionen erkrankt, hängt meist von mehreren Faktoren ab. Zum einem können angeborene oder ererbte Faktoren eine Rolle spielen: Wenn bereits mehrere Personen in einer Familie an Depressionen litten, ist von einer höheren Wahrscheinlichkeit auszugehen, dass man auch selbst einmal betroffen sein könnte. Meist sind jedoch noch weitere Bedingungen nötig, damit eine Depression ausgelöst wird. Solche Bedingungen sind kritische Lebensereignisse, wie der Tod einer nahe stehenden Person oder Dauerstress auf Arbeit. Auch Persönlichkeitsfaktoren, wie ein niedriger Selbstwert und bestimmte Denkmuster können das Risiko einer Depression erhöhen.

Abbildung Depression

Außerdem können Depressionen auch im Rahmen körperlicher Erkrankungen (z.B. Hypothyreose) auftreten sowie als Nebenwirkung einer Medikamenteneinnahme.

 

Verbreitete Fehlannahmen und Mythen

Wer Depressionen hat, ist selbst dran schuld!

An der Entwicklung einer Depression ist man genauso wenig schuld wie an einer Grippe. Sicher gibt es verschiedene Verhaltensweisen, die eine Entstehung der Krankheit begünstigen, jedoch sind solche Prozesse nie allein auf das Verhalten einer Person zurück zu führen, sondern auf das Zusammenspiel vieler, häufig unbeeinflussbarer Faktoren.

Leute mit Depressionen sollten sich einfach mal zusammenreißen!

Häufig versuchen wohlmeinende Mitmenschen den Depressiven aufzumuntern mit Sprüchen, wie: "Das wird schon wieder!" oder "Reiß Dich doch einfach mal zusammen!". Dies ist jedoch wenig hilfreich. Ein depressiver Mensch wird diese Ratschläge jedoch nicht umsetzen können. Statt dessen wird nur das Gefühl verstärkt, das tatsächlich "etwas mit einem nicht stimme". Vergessen Sie nicht: Depressionen sind Erkrankungen zu deren Symptombild es gehört, dass man sich eben nicht "einfach mal zusammenreißen" kann.

Gegen Depressionen kann man nichts tun, man muss einfach warten, bis sie vorbei gehen.

Depressionen sind inzwischen gut behandelbar. Wenn Sie depressive Symptome an sich bemerken, zögern Sie nicht, Ihren Hausarzt darauf anzusprechen oder sich an einen Psychotherapeuten zu wenden. Niemand muss mehr unnötig lange unter den oft quälenden Beschwerden leiden.

Autor: S.Helbig zum Seitenanfang