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letztes Update: August 2017
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Hier finden Sie Hintergrundwissen zu einigen ausgewählten psychischen Erkrankungen.

Panikstörung und Agoraphobie

Was sind Panikstörung und Agoraphobie?

Personen mit einer Panikstörung leiden unter wiederkehrenden, unerwartenden Panikattacken oder schweren Angstanfällen. Häufig wird berichtet, dass die Symptome ganz plötzlich, "wie aus heiterem Himmel", auftreten und innerhalb weniger Minuten immer weiter zunehmen. Zu den typischsten Symptomen der Panikattacke gehören dabei:

  • Herzrasen oder Herzstolpern,
  • Brustschmerzen oder Druck auf der Brust,
  • Schwitzen,
  • Hitzewallungen oder Kälteschauer,
  • Zittern,
  • Erstickungsgefühle,
  • Schwindel oder Benommenheit,
  • Übelkeit, Magen-Darm-Beschwerden,
  • Taubheit oder Kribbeln in Händen oder Füßen,
  • Gefühl, dass die Umwelt nicht mehr real sei oder losgelöst von sich selbst zu sein,
  • Angst, die Kontrolle zu verlieren oder verrückt zu werden,
  • Angst zu sterben.

Durch die im Vordergrund stehenden körperlichen Symptome der Panikstörung wird von vielen Betroffenen eine zugrunde liegende körperliche Erkrankung vermutet. Tatsächlich ähneln die Symptome während einer Panikattacke denen eines Herzinfarkts, sind aber völlig ungefährlich. Zu den körperlichen Symptomen kommt die Angst vor weiteren Anfällen und die Angst vor dadurch bedingten Gesundheitsschäden. Besonders beeinträchtigend ist dabei die Unvorhersagbarkeit der Panikattacken für die Betroffenen, d.h. es lassen sich auf den ersten Blick keine eindeutigen Auslöser für die Angstanfälle erkennen.

Als Folge der Angst vor unerwarteten Panikattacken beginnen die Betroffenen häufig, bestimmte Situationen zu vermeiden, und zwar vor allem Situationen, aus denen sie schwer flüchten können oder in denen Hilfe im Falle eines Panikanfalls nur schwer erreichbar wäre. Zu solchen Situationen gehören typischerweise:

  • große Plätze oder Menschenmengen,
  • Kaufhäuser und Supermärkte,
  • Öffentliche Verkehrsmittel,
  • Kino, Restaurants,
  • Brücken.

Wenn solche Situationen völlig gemieden werden oder nur mit großer Angst aufgesucht werden können, spricht man vom Vorliegen einer Agoraphobie. Das Wort Agoraphobie bedeutet ursprünglich "Platzangst" (griech. agora = Platz), ist jedoch nicht zu verwechseln mit der Furcht vor engen geschlossenen Räumen, der "Klaustrophobie". Ungefähr ein Drittel der Patienten mit Panikstörung leiden ebenfalls unter agoraphobischen Ängsten. Daher werden die beiden Diagnosen häufig als Doppeldiagnose "Panikstörung mit Agoraphobie" gestellt. Es gibt jedoch auch Personen, die nie eine Panikattacke erlebt haben bzw. die kein agoraphobisches Vermeidungsverhalten zeigen.

Wie entstehen Panikstörungen und Agoraphobie?

Fast jeder Zehnte von uns erlebt zumindest einmal im Leben einen Panikanfall. Doch nur ein kleiner Teil dieser Personen entwickelt auch eine Panikstörung. Dies lässt darauf schließen, dass nicht der Panikanfall für sich der Störungsauslöser ist, sondern das weitere Faktoren bei der Entstehung der Panikstörung eine Rolle spielen müssen.

Der erste Panikanfall

Ein wesentlicher Mechanismus bei der Entstehung der Panikstörung ist die Bewertung des erlebten Panikanfalls als etwas Bedrohliches. Durch die massiven körperlichen Symptome wird während des Anfalls nicht selten Todesangst erlebt. Viele Betroffene gehen zunächst zu einem Arzt, weil sie eine ernsthafte körperliche Erkrankung befürchten. Diese Maßnahme ist durchaus sinnvoll, da es tatsächlich eine Reihe von (vor allem kardiologischen) Krankheiten gibt, die Panikattacken auslösen können.

Wird jedoch keine körperliche Ursache festgestellt, bleiben die Betroffenen mit der Ungewissheit zurück, was ihre Symptome bedeuten. Dies ist häufig mit der Sorge verbunden, doch unter einer noch nicht diagnostizierten Störung oder Krankheit zu leiden.

Erwartungsangst

Werden mehrere unerwartete Panikanfälle erlebt, kommt es häufig zur Erwartung weiterer Attacken ("Angst vor der Angst"). Dies äußert sich in einer ständigen Anspannung und Stressempfinden, die ihrerseits wieder die Wahrscheinlichkeit eines Panikanfalls erhöhen.

Aufmerksamkeit auf interne Reize

Ein Teil der Betroffenen neigt nach einem Panikanfall dazu, verstärkte Aufmerksamkeit auf ihre eigenen Körpersignale zu legen, um möglichst früh Anzeichen für einen drohenden Herzinfarkt (= neuen Anfall) registrieren zu können. Dadurch werden viele Empfindungen und Missempfindungen, die den ganzen Tag über in unserem Körper ausgelöst werden, erstmals bewusst erlebt. So kann beispielsweise bereits der Genuss einer Tasse Kaffee dazu führen, dass das Herz schneller schlägt. Wird dies jetzt wahrgenommen und nicht mit dem Kaffee in Verbindung gebracht, wird es häufig als Anzeichen einer drohenden neuerlichen Panikattacke gewertet. Die so ausgelöste Angst wiederum verstärkt die erlebten Symptome (siehe auch Teufelskreis Angststörungen).

Agoraphobie

Die Agoraphobie entsteht häufig aus den erlebten Angstsymptomen heraus - als Versuch, mit den unerwarteten Panikattacken umzugehen. Um sich nicht der Gefahr auszusetzen, einen eventuell lebensbedrohlichen Anfall in einer Situation zu bekommen, in der keine Hilfe verfügbar ist, beginnen die Betroffenen, bestimmte Situationen und Plätze zu vermeiden. Meist dehnt sich diese Vermeidung im Laufe der Zeit auf immer mehr Situationen aus, so dass schließlich einige Betroffene das Haus nicht mehr verlassen können. Dies wiederum erhöht das Risiko für andere psychische Erkrankungen, wie Depressionen oder Missbrauch von Alkohol oder Medikamenten.

Autor: S.Helbig zum Seitenanfang