Psychoterapeutische Praxis Dresden Regina John

 

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Spezifische Phobien

Unter Spezifischen Phobien versteht man Ängste, die sich auf ein bestimmtes Objekt (z.B. Spritzen) oder eine bestimmte Situation beziehen (z.B. Fahrstuhl fahren).

Spezifische Phobien (früher auch: Isolierte Phobie oder Einfache Phobie) treten sehr häufig auf, insbesondere auch bei Kindern. Allerdings sind die Ängste selten so stark ausgeprägt, dass sie den Alltag erheblich beeinträchtigen. Ist dies jedoch der Fall, wie zum Beispiel wenn ein Betroffener aus Angst vor Hunden nicht mehr auf die Straße gehen kann, dann liegt eine klinisch relevante Störung vor.

Spezifische Phobien sind dann behandlungswürdig, wenn:

  • die Begegnung mit dem gefürchteten Objekt oder das Betreten der gefürchteten Situation (fast) immer eine starke Angst auslöst, die als unangemessen erlebt wird oder unbegründet ist und
  • die Furcht oder die damit verbundene Vermeidung zu Einschränkungen oder Veränderungen des alltäglichen Lebens führt.
Das bedeutet, dass die Angst, von einem Hund gebissen zu werden, wenn in der Nachbarschaft mehrere gefährliche Hunde leben, keine Phobie darstellt, da sie einer realistischen Gefahr entspringt. Auf der anderen Seite ist eine starke Angst vor Schlangen keine behandlungsbedürftige Störung darstellen, wenn die Person in einer Gegend lebt, in der es keine Schlangen gibt, da aufgrund der Angst keine Alltagsbeeinträchtigungen entstehen.

Welche Spezifischen Phobien gibt es?

Es gibt unzählige verschiedene Spezifische Phobien. Im Grunde können alle Objekte oder Situationen zu Angstauslösern werden, darunter auch so eher exotische Dinge, wie Antiquitäten. Solche Phobien treten jedoch sehr selten auf. Die häufigsten Phobien sind in der unten stehenden Tabelle zusammengefasst.
 
Typ Gefürchtetes Objekt/Situation Bezeichnung
Tiere Hunde
Spinnen
Schlangen
Kynophobie
Arachnophobie
Ophidiophobie
Umwelt Höhe
Wasser
Gewitter
Akrophobie
Hydrophobie
Ceraunophobie
Situationen Geschlossene Räume
Fliegen (Flugangst)
Krankenhäuser
Klaustrophobie
Aerophobie
Nosocomephobie
Blut-Spritzen-Verletzungen Blut
Spritzen
Verletzung
Krankheit
Zahnarztbehandlungen
Hämatophobie
-
Traumatophobie
Pathophobie
Dento-/Dentalphobie
andere Infektionen
Verschlucken
Misophobie
-

Wodurch entstehen Spezifische Phobien?

Spezifische Phobien entstehen meist schon in der Kindheit, wobei Frauen etwa doppelt so häufig betroffen sind wie Männer. In den klassischen Theorien zu Entstehung von Phobien wird davon ausgegangen, dass ein traumatisches Ereignis, wie z.B. ein Hundebiss dazu führt, dass wir Angst in dieser Situation entwickeln. Durch die Angst beginnen wir, diese Situation oder den Reiz zu vermeiden und können dadurch nicht lernen, dass er an und für sich ungefährlich ist. Jedoch erinnert sich nur ein geringer Anteil der Personen mit Spezifischer Phobie an eine solche auslösende Situation. Das heißt, dass es noch andere Mechanismen geben muss, die zur Entstehung Spezifischer Phobien beitragen können. Beispielsweise treten solche Ängste auch familiär gehäuft auf, was darauf hindeutet, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen könnten. Es könnte jedoch auch darauf hinweisen, dass ängstliche Verhaltensweisen gelernt werden: Wenn ich beobachte, dass meine Mutter beim Anblick von Hunden stets erschreckt und zurückweicht bzw. mich wiederholt vor Hunden warnt, wird in mir die Überzeugung wachsen, dass Hunde eine Gefahr darstellen.

Bestimmte Reize haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, angstauslösend zu sein. Dazu zählen verschiedene Tiere, wie Schlangen oder Spinnen, aber auch Höhen. Es wird vermutet, dass die Angst vor diesen Reizen in früheren Zeiten einen Überlebensvorteil bot, da z.B. die Wahrscheinlichkeit, von einer giftigen Schlange gebissen zu werden, kleiner war, wenn man ihr aus dem Weg ging. Heute haben solche evolutionär entstandenen Ängste meist keine Funktion mehr; im Gegenteil behindern sie uns im Alltag eher.

Viele Phobien im Kindesalter (z.B. die Angst vor Dunkelheit) verschwinden mit dem Älterwerden von allein wieder. Bestehen solche Ängste jedoch bis ins Erwachsenenalter fort, bilden sie sich nur in etwa 20% der Fälle ohne Behandlung zurück. Außerdem erhöhen sie das Risiko, weitere Phobien zu entwickeln.

Autor: S.Helbig zum Seitenanfang