Psychoterapeutische Praxis Dresden Regina John

 

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Ein ängstlicher Mensch

Angststörungen

Angst kennt jeder von uns - es ist ein "normales" Gefühl, dass bei allen Menschen auftritt. Die Neigung, auf Unbekanntes oder Bedrohliches mit Furcht zu reagieren, kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein; es wäre jedoch wenig sinnvoll, gar keine Angst mehr zu haben.

Angst hat in unserem Leben eine wesentliche Alarm- und Schutzfunktion: So warnt sie uns vor möglichen Gefahren und stellt Energie bereit, damit wir uns der Situation entweder stellen oder schnell aus ihr flüchten können. Auch bei plötzlich auftretenden Veränderungen oder Beschwerden kann Angst ein wichtiger Hinweis sein, dass eine ernste Bedrohung vorliegt. Ohne Angst würden wir häufig unnötige Risiken eingehen bzw. auf Gefahren nicht schnell genug reagieren können.

Angst ist also ein wichtiger Bestandteil des Lebens. Es kann jedoch vorkommen, dass die Angst übermächtig wird und das tägliche Leben stört. Wann jedoch würde man nicht mehr von Angst als einem normalen Gefühl, sondern als einer behandlungsbedürftigen Störung sprechen?
Angst wird dann "auffällig", wenn:

  • die Angst das der Situation angemessene Ausmaß übersteigt, also z.B. in ungefährlichen Situationen auftritt,
  • die Angst anhält, auch wenn die angstauslösende Situation vorbei ist,
  • der Betroffene das Gefühl hat, seiner Angst ausgeliefert zu sein, sie nicht kontrollieren zu können,
  • aus der Angst deutliche Einschränkungen oder Beeinträchtigungen im täglichen Leben resultieren.

Angststörungen sind sehr häufige Störungen. 15-20% aller Menschen leiden zumindest einmal in ihrem Leben an einer behandlungsbedürftigen Angststörung. Nicht immer wird dabei sofort deutlich, dass es sich um ein seelisches Problem handelt. Angst geht mit massiven körperlichen Veränderungen einher, die manchmal so stark ausgeprägt sind, dass es nahe liegt, eine körperliche Ursache der Beschwerden zu vermuten.
Solche typischen Angstsymptome sind z.B.

  • Herzrasen, Herzstolpern
  • Schwitzen
  • Hitze- oder Kälteschauer
  • Trockener Mund
  • Schwindel
  • Störungen der Verdauung bzw. Magen-Darm-Beschwerden
Daher haben viele Betroffene eine lange Odyssee von einem Arzt zum nächsten hinter sich gebracht, ohne dass ihnen geholfen wurde.

Neben diesen körperlichen Stress-Symptomen treten im Rahmen von Angststörungen auch bestimmte Gedanken und Gefühle sowie typische Verhaltensmuster auf, z.B.:

  • Angst, die Kontrolle zu verlieren oder verrückt zu werden,
  • Angst vor einem Herzinfarkt oder Angst, sterben zu müssen,
  • Angst, an einer körperlichen Erkrankung zu leiden,
  • Angst, Fehler zu machen oder zu versagen,
  • Flucht aus Situationen, in denen die Angst auftritt oder
  • Vermeiden solcher Situationen von Vornherein.
Allgemeine Ursachen für Angststörungen

Es gibt keine einzelne Ursache für Angststörungen. Heute geht man davon aus, dass jeder Mensch eine bestimmte Anfälligkeit für Angststörungen hat, die man als Angstschwelle bezeichnen könnte. Die allein reicht meist nicht aus, um eine Angststörung zu entwickeln; es müssen noch bestimmte Ereignisse auftreten, die man als Auslöser betrachten könnte. Wenn ein Auslöser auf eine niedrige Angstschwelle trifft, ist die Wahrscheinlichkeit für das Entstehen einer Angststörung höher als wenn die Angstschwelle hoch ist. Dies erklärt auch, warum von den Menschen, die ähnliches erlebt haben, manche eine Angststörung bekommen und manche nicht.
Das folgende Schaubild soll dies noch einmal verdeutlichen.

Abbildung Angst

Die Höhe der Angstschwelle wird dabei von folgenden Faktoren mitbestimmt:

  • Genetische Faktoren
  • Sensibilität für körperinterne Abläufe (z.B. Wie stark nehme ich meinen Herzschlag war?)
  • Lernerfahrungen aus der Kindheit (Wie ängstlich waren meine Eltern in bestimmten Situationen?)
Auslösefaktoren auf der anderen Seite können sein:
  • Langanhaltender Stress und Überlastung (z.B. kritische Lebenssituationen)
  • Traumatische Erlebnisse (z.B. kann ein Hundebiss zur Entwicklung einer Tierphobie führen)
  • Missbrauch von Medikamenten oder Drogen
  • Körperliche Erkrankungen
Der folgende Teufelskreis verdeutlicht, wie Auslöser plus die angeborene Sensibilität für interne Reize zu einer Aufschaukelung der Angst führt.

Abbildung Angst

Ein wichtiger Mechanismus bei der Aufrechterhaltung solcher Störungen ist die Vermeidung der gefürchteten Situation oder des gefürchteten Objekts. Es ist natürlich verständlich, dass man Situationen, in denen man sich ängstlich oder unsicher fühlt, lieber nicht aufsucht. Dadurch kann man Angst vermeiden, jedoch bringt man sich dabei auch um die Erfahrung, dass das, wovor man Angst hat, nicht passiert. Ohne diese korrektive Erfahrung wird die Angst vor der Situation jedoch immer schlimmer, weil man sich in Gedanken ausmalt, was alles passieren könnte.

Formen von Angststörungen

Es gibt verschiedene Formen von Angststörungen. Zu den unten genannten Störungen finden Sie durch Anklicken des Namens weitere Informationen.

  • Phobische Angststörungen:
    Bei phobischen Angststörungen steht die Furcht vor einer bestimmten Situation oder einem bestimmten Objekt im Vordergrund. Zu diesen Angststörungen zählt man:
    • Agoraphobie - Angst vor offenen Plätzen, Menschenmengen, etc.
    • Soziale Phobie - Angst vor und in sozialen Situationen
    • Spezifische Phobien - Angst vor spezifischen Reizen, wie Tieren oder Höhen
  • Panikstörung:
    Bei der Panikstörung kommt es aus heiterem Himmel zu wiederkehrenden schweren Angstanfällen (oder Panikanfällen). Die Panikstörung tritt häufig im Zusammenhang mit der Agoraphobie auf.
  • Generalisierte Angststörung:
    Anders als bei anderen Angststörungen fürchten die Betroffenen keine spezielle Situation, sondern die Generalisierte Angststörung ist durch anhaltende Sorgen und körperliche Anspannungssymptome gekennzeichnet.
  • Posttraumatische Belastungsstörung:
    Die Posttraumatische Belastungsstörung tritt als Reaktion auf ein traumatisches Erlebnis auf (z.B. schwerer Unfall, Vergewaltigung), bei dem das eigene Leben bedroht war oder man Zeuge einer solchen Bedrohung war.
  • Zwangsstörung:
    Bei Zwangsstörungen stehen unkontrollierbare, wiederkehrende Impulse, Gedanken oder ritualhafte Handlungen im Vordergrund der Symptomatik.

Neben diesen Angststörungen im engeren Sinn gibt es weitere Erkrankungen, bei denen Angst eine Rolle spielen kann. Dazu gehören u.a.:

Angst und Depression, gemischt: Bei einigen Personen können Angstsymptome in Zusammenhang mit starken Gefühlen der Traurigkeit, Niedergeschlagenheit oder Schuldgefühlen einher gehen. Falls die Symptome weder eindeutig einer Angststörung noch einer Depression zuordenbar sind, spricht man von einer gemischten Störung.

Anpassungsstörung: Nach großen Umstellungen oder negativen Ereignissen im Leben (z.B. einer Scheidung, ein Umzug) können manchmal starke Stress- und Angstreaktionen auftreten. Falls diese über einen längeren Zeitraum anhalten, kann eine Anpassungsstörung vorliegen.

Hypochondrie: Bei dieser Erkrankung stehen Befürchtungen im Vordergrund, an einer ernsthaften körperlichen Erkrankung zu leiden. Die Befürchtungen entspringen häufig den Fehlinterpretationen körperlicher Symptome und führen zu starken Angst- oder Unruhegefühlen.

Körperdysmorphe Störung: Betroffene beschäftigen sich dabei übermäßig damit, dass sie glauben in der körperlichen Erscheinung missgestaltet zu sein oder einen sichtbaren körperlichen Defekt zu haben bzw. nehmen eine körperliche Bes9onderheit als übermäßig auffällig wahr. Das führt häufig zu starken Angstreaktionen und ausgeprägter Vermeidung sich in öffentlichen Situationen zu bewegen.

Autor: S.Helbig zum Seitenanfang